Naturkatastrophen in Voigdehagen

 

Voigdehagen ist im Laufe seines Bestehens von zahlreichen Naturkatastrophen heimgesucht worden. Im Folgenden ein kleiner Rückblick auf ausgewählte Ereignisse in den letzten drei Jahrhunderten.


18. und 19. Jahrhundert

Extremer Frost 1891


In alten Archivdokumenten wird an vielen Stellen über derartige Naturkatastrophen berichtet: So findet man in der „Stralsundischen Zeitung“ vom 9. Juni 1891 einen Beitrag zu einem extremen Kälteeinbruch in unserer Region. Hier heißt es, dass „die Kartoffeln erfroren sind“ und, „dass in den Ortschaften Stadtkoppel, Zarrendorf und Voigdehagen die Verwüstungen besonders stark waren.“


Missernten 1709 und 1714


Oder der Hinweis eines Stralsunder Klosterschreibers, der in seinem Tagebuch über extreme Frosteinbrüche im Oktober 1708 sowie zum Jahresbeginn 1709 informiert. Nur wenige Jahre später, im Jahre 1714 schlägt die Natur schon wieder zu. Es kam zu katastrophalen Missernten. (Quelle: StadtA Strals., Hs. 346).
Die wirtschaftlichen Auswirkungen waren auch deshalb so verheerend, da die Menschen unter der schlimmen Pest und den ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Gegend in und um Stralsund litten. Bitternis und Verzweiflung klingen aus den Worten zweier Prediger der Marienkirche aus dem Jahre 1713: „Wir beyde Prediger können für Gott bezeugen, daß verschiedene Unserer Eingepfarrten von denen bisherigen Proceduren den Tod genommen, theils annoch kranck darnieder liegen und sich noch nicht erholen können…Ihre Kinder auß der Schulen …nehmen müßen, und selbige des Abends zu singen ausgeschicket, und so lange sie gekonnt, Ihr täglich Brod so zu reden…“( Quelle: StadtA Stralsund, Sign P.33b, In: Stadtgesellschaft u. Krieg. Gött. Beiträge zur Wirt. U. Soz., Bd. 18, S. 112). Man kann sich gut denken, dass die Situation der Landbevölkerung vergleichbar, durch die unmittelbare Nähe der militärischen Besatzer vielleicht sogar noch verheerender gewesen ist.


20. und 21. Jahrhundert


Winter 1968


Nun ein Blick in die nähere Vergangenheit unseres Ortes seit den 60iger Jahren. So hatte der Ort im Winter 1968 mit katastrophalen Umständen zu kämpfen. Ältere Einwohner berichten von gewaltigen Schneeverwehungen. Beispielsweise wurden am 13. Januar 1968 beim Voigdehäger Weg Verwehungen in Höhe von 2,60 Metern gemessen. Den Einsatzkräften, aber auch der Bevölkerung wurde in diesen Tagen vieles abverlangt. Selbst der Einsatz großer Technik stellte sich hier problematisch dar. Zeitzeugen erzählten, dass sich sogar eine Planierraupe vom Typ T100, die mit einem Schiebeschild eingesetzt wurde, in den Schneebergen festgefahren hatte und per Hand freigeschaufelt werden musste.


Jahrhundertwinter 1978/79


Besonders hart hatte die Voigdehäger aber wohl die Schneesturmkatastrophe zum Jahreswechsel 1978/79 getroffen. Den Älteren unter uns sind die extremen Witterungsereignisse dieser Tage sicherlich noch in guter Erinnerung. Ein arktischer Schneesturm hatte förmlich über Nacht zu einer dramatischen Lage geführt: Eis und meterhohe Schneeverwehungen blockierten praktisch alle Verkehrsverbindungen. Die Weichen waren vereist und der Zugverkehr war lahmgelegt.
Was war damals aus meteorologischer Sicht eigentlich passiert?
In Kurzfassung zu dieser Frage nur so viel: Alles begann mit einem rasanten Temperatursturz von +10 bis ca. -20° C. Dem Temperatursturz folgte ein eisiger Nord-Ost-Sturm, der dann den Norden erfasste und für längere Zeit Eis und Schneemassen zu uns brachte.
Voigdehagen war in diesen Tagen von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten. Durch die riesigen Schneewehen waren so manche Häuser und Gehöfte erst wieder nach stundenlangem Freischaufeln erreichbar. Auf der Dorfstrafe, die weiter nach Zitterpenningshagen führt, reichten die Schneewehen z.B. bis zu den Dächern der Häuser. Zur medizinischen Versorgung mussten Wege über die verschneiten Felder gesucht werden.
Erst viele Tage nach dem Ende des Schneesturms normalisierte sich das Leben in den Dörfern wieder. Was neben den leidigen Erlebnissen in diesen chaotischen Tagen in Erinnerung geblieben ist, sind die vielen Beispiele selbstloser Hilfe durch die Nachbarn und die oft unbekannten Einsatzkräfte.


Schneechaos 2001 und Wintersturm „Daisy“ 2010


Aus jüngster Zeit bleiben uns das weihnachtliche Schneechaos von 2001 und die Ereignisse vom Winter 2010 noch gut in Erinnerung.
Voigdehagen war im Dezember 2001 förmlich in Schneemassen versunken und von der Umwelt so gut wie abgeschnitten. Die Ostsee-Zeitung schrieb hierzu am 27.12.2001: „Besonders dicke erwischte es Voigdehagen. Bereits in der Nacht war die Zufahrt dicht, da eine 1,50 Meter hohe Schneewehe vor dem Bahnübergang alles blockierte.“
Aber auch 2010 ging stellenweise gar nichts mehr. Die Schneeverwehungen durch das Sturmtief „Daisy“ waren so gewaltig, dass die Straße von Voigdehagen nach Andershof vom Winterdienst aufgegeben und gesperrt werden musste.

 

Orkantief 2002

Aber auch ohne Schnee und Eis wüteten Naturgewalten in unserer Gegend. Erinnert sei an den gewaltigen Sturm im Jahre 2002. In der Nacht vom 10. zum 11.07.2002 hatte man den Eindruck, dass in Voigdehagen die Welt untergehen will. Nachdem man nachts schon die Kettensägen der Einsatzkräfte gehört hatte, sah man am Morgen dann das angerichtete Chaos. So hatte der Orkan an der alten Pflasterstraße gleich drei große Bäume „gefällt“: eine gewaltige Weide, die förmlich aus der Erde gerissen worden war, eine Pappel, sowie eine Esche. Überall waren die Straßen von herunter gestürzten Ästen förmlich übersäht. Durch die Feuerwehr war bereits in der Nacht eine Baumsperre beseitigt worden. Auf dem Grundstück der Familie Bollerey waren auch mehrere große Pappeln umgestürzt. Hier kam das THW Tage später zum Einsatz und räumte die umgeworfenen Bäume weg. Glücklicherweise kamen in unserer Region keine Menschen zu Schaden.
Noch Jahre danach konnte man die „Reste“ der entwurzelten riesigen Weide neben der alten Pflasterstraße liegen sehen. Und aus der umgebrochenen Esche hatte der Voigdehäger Holzbildhauer Klaus Erbert eine schöne Eulenskulptur geschaffen, die man vor dem Spielplatz des Ortes bewundern kann.


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Die Geschichte des Ortes ist in mehrere Kapitel eingeteilt, da die Menge nicht auf einer Seite übersichtlich abgebildet werden kann.