Frühzeit in Voigdehagen

 

Schon früh siedelten sich Siedler im heutigen Voigdehagen an. Frühgeschichtliche Zeugnisse sind zum Beispiel Tonscherben in der Nähe eines ehemaligen Burgwalls, der sich ganz in der Nähe befindet.

 

Funde aus der frühen Besiedlung in Zitterpenningshagen und Voigdehagen.

Im Frühjahr bzw. im Herbst, wenn die Äcker frisch umgepflügt worden sind und es geregnet hat, treten diese Funde zu Tage. Tonscherben, Faustkeile und andere Utensilien treten dann empor.

 

Eine Tonscherbe aus der frühen Zeit. Das Bild hier zeigt den vermutlich den Rand eines Gefäßes.

 

frühzeitliche Slawensiedlung

Seit dem 6. und 7. Jahrhundert nach Christus siedelten hier Slawen, welche im Zuge der deutschen Ostexpansion von Christen assimiliert wurden. Die Siedler jener Zeit lebten natürlich von der Landwirtschaft, es wurde aber auch viel in dem damals sehr fischreichen Strelasund gefischt. Voigdehäger Teich und Bauernteich existierten zu jener Zeit noch nicht.

Im Jahre 1234 erhielt die Stadt Stralsund ihr Stadtrecht und 1282 wird Voigdehagen erstmalig erwähnt.

 

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Mittelalter in Voigdehagen

 

Voigdehagen wird erstmals 1282 erwähnt, damals noch als Vogedehagen. Zwischendurch hieß es auch Vögdehagen, erst 1823 tritt die heutige Schreibweise ein.

Zeittafel Mittelalter

Der Ort spielte in der mittelalterlichen Geschichte der nahen Stadt Stralsund eine besondere Rolle. Die Kirchen der Stadt Stralsund unterstanden über Jahrhunderte hinweg dem Pfarrer in Voigdehagen. Die Landesherren konnten als Patrone der Kirche von Voigdehagen großen Einfluss auf die Politik der Stadt ausüben.

Seit Ausgang des 13. Jahrhunderts gehört das heutige Gebiet Voigdehagen zum Fürstentum Rügen und hier verknüpft sich seine Geschichte mit der neuen, 1234 gegründeten Siedlung Stralow (ab 1240 Stralesund genannt). Der Voigt als Stellvertreter des Landesherren vertrat dessen Rechte in der neuen Stadt – ein nicht immer einfaches Geschäft, wie die Quellen nachweisen. Versuchte doch jeder, seine Positionen zu festigen und auszubauen. Wir wissen das mit dem Aufblühen der Stadt, der Landesvater dabei den Kürzeren gezogen hat.


Die Stralsunder, vor allem die herrschenden Kreise, machten vor allem mit Ihren ökonomischen Mitteln Gebrauch, die Positionen des Landesherren zu unterhöhlen. Dabei ließen Sie Zeit und Geld für sich arbeiten. Auf Voigdehagen bezogen hieß es, das 1282 der Stralsunder Bürger Leo Valke nahezu dreiviertel des Dorfes Voigdehagen von einem dort ansässigen adligen Lehnsmann des Rügenfürsten erwarb. Weitere Kaufverträge, Verpachtungen, Verpfändungen füllten in den Stralsunder Stadtbüchern manche Rubriken.


Neben Privatpersonen, die Höfe und Mühlen (Wasser- und Windmühlen werden bereits zu 1290 genannt), den Krug, die Teiche und anderes mehr kauften, pachteten und verpachteten, verpfändeten oder auch Renten (heute wohl Hypotheken genannt) darin anlegten, traten der Rat der Stadt und der geistliche Besitz – vorab der spätere Eigentümer, das Kloster Heilgeist – in Erscheinung.

 

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Neuzeit in Voigdehagen

Die Neuzeit entwickelt sich für Voigdehagen und seine Umgebung zu einem Wechselbad der Gefühle. Dem Ort macht die Nähe zur Stadt Stralsund zu schaffen, welche in jener Zeit immer wieder in Kriege verwickelt. ist. Teilweise lag der Ort fast wüst dar, aber wurde nie aufgegeben und immer wieder aufgebaut.

In der Zeit von 1621 – 1637 kommt es zu einem Kaufvertrag zwischen der Stadt Stralsund und Maria Andrea, Witwe des Jacob Wessel, über das Wesselsche Haus am Alten Markt.
Weiterhin an eine Verpachtung des Gutes Nisdorf an Franz Cornelius, Jacob Harcken, Magnus Schadeloken, Cornelius Frantzen, Danckwart Frantzen, Johann Clausen und Dinnies Holsten.

1646 erhielt die Familie von Erskein auf Lüdershagen das Patronat über die Kirche, erst 1717 hatte es dann die Stadt. Das Dorf gehörte schon seit dem 13. Jahrhundert fast ausschließlich Stralsunder Ratsmitgliedern, zumindest viele Ländereien, welche verpachtet wurden, denn bis 1928 war Voigdehagen schließlich selbständig..

Ab 1648 kommt es zum Wiederaufbaus der zerstörten Dörfer Voigdehagen, Zitterhagen (jetzt: Zitterpenningshagen), Wendorf und Arendsee, welche durch die Folgen des 30 jährigen Krieges (1618-1648) stark zerstört wurden.

Zeittafel Neuzeit

Witzlaw der III. hatte in einem Privileg im Jahre 1321 Voigdehagen als ein Stralsunder Stadtdorf bezeichnet. Im 14. Jahrhundert erwarb das Stralsunder Heilgeistkloster nach und nach das gesamte Dorf nebst Ackerwerk. Diese Besitzverhältnisse änderten sich bis 1945 nicht. In den Martrikelkarten von Vorpommern ist davon die Rede, dass im „Voigdehäger Dyk“ die schönsten Karauschen zu fangen seien.

Karte von Voigdehagen (Archiv Rolf. J. Richter)


Am 22. Mai 1706 trug der Pfarrer des Kirchspiels Voigdehagen bei Stralsund die Eheschließung des 102 Jahre alten Hans Brüneck mit der etwa 50 Jahre zählenden Witwe Magdalena Arens ins Kirchenbuch ein und fügte, da eine solche Verbindung wahrlich nicht alltäglich war, einiges hinzu, was der Bräutigam zur Bestätigung seines Alters erzählte: Er habe, so rühmte er sich, mit 24 Jahren bei der erfolgreichen Verteidigung Stralsunds gegen die kaiserlich-wallensteinschen Belagerer im Juni/Juli 1628 mitgekämpft, sei danach auch noch Jahrzehnte unter den Fahnen geblieben. Den Brautleuten wie dem evangelischen Pfarrer war das Ereignis als Beispiel für heldenhaften Glaubenskampf denkwürdig und geläufig, es war Teil des historischen Bewußtseins der Bevölkerung - wie viele andere Begebenheiten aus dem Dreißigjährigen Kriege.

(Quelle: westfälische Geschichte)

Schlacht von Voigdehagen

Von Andershof stürmen die Franzosen gegen Voigdehagen. Am Dorfteich, direkt vor der alten Backsteinkirche, haben sich die Schweden verschanzt. Die Kolonnen des Generalleutnants Freiherrn von Armfeld, greifen auf der linken Flanke in Attacke an. Das sehen Johannes Jakobie und seine Frau Anna durch die Türritze Ihrer alten schilfbedeckten Kate, die gleich neben der Kirche steht. Ihren Uwe und Ihre Ulrike versteckten Sie auf dem Heuboden. Zweimal am Tag bringen Sie Ihnen die besten Bissen. Die Kinder danken mit weitaufgeschlagenen Augen und in den fragenden Blicken sieht man das Flackern, die Angst, dass Ihnen etwas zustoßen könnte.

Mit entsetzten Blicken sehen die Eltern zu, wie das Gemetzel, das gegenseitige Umbringen um den Teich, davor und dahinter, beginnt. Die Franzosen, wie besessen:  Sie stechen die Schweden, die Preußen, die Gothen und Finnen wie Schweine ab. Kopfüber liegen schon die Leichen im Voigdehäger Teich. Hannes und Anna halten sich die Hände vor das Gesicht. Sie kauern in sich gesunken, sie zittern und sie beten zu Gott. "Möge dieses Geschlachte bald ein Ende haben".

Die drei Tüderschafe und der einzige Pölk sind im Schuppen, tief in der Strohmiete versteckt. Das Vieh zittert bei jeder Detonation und ist vor Angst ganz ruhig. Vom Dänholm stürmen Schweden, aber das schwedische Feuer verstummt. Die Franzosen hatten das Pulverlager entzündet. Feuerfunken stieben auf das Katendach, augenblicklich züngeln Flammen auf das Rohrdach. Anna und Hannes rennen vom Teich aus zum brennenden Dach. Hannes gießt und gießt, bis der Flammenherd erstickt. Die schwelenden Stellen schlägt er mit nassen Tüchern aus. Er und Anna merken nicht, wie sich Franzosen Ihrer Kate nähern. Noch immer gießen Sie Wasser auf das Rohrdach. "Allemanch la boch" brüllt ein Offizier. Seine Füsiliere lachen schamlos. Sie reiten um den Teich zum Jensenhof.

Aber die Magazine sind leer und sie aus Schweden zu füllen hielt schwer. Rügen, das schon seit Monaten nicht nur die Einwohner Stralsunds und die Schweden, sondern auch die Preußen und Engländer allein gespeist hatte, war dermaßen erschöpft, dass kaum Brot zu haben war.

Der Nationalsoldat, ausgemergelt durch Strapazen, sehnte sich nach seiner Heimat. Selbst die Offiziere wünschen sich das Ende des Krieges, wo die Streitkräfte des einen Teils die der anderen überwiegen.

Hannes Jakobie und seine Anna sehen mit listigen Bauernblick, dass die Franzosen weiter marschieren. Er tüdert wieder seine drei Schafe im Straßengraben und holt den Pölk aus dem Versteck. Er schüttet ihm frische Schweinekartoffeln in den Trog. Anna läuft über den Hof, unweit vom Brunnen steht der Zuber. Sie kurbelt aus der Tiefe das eiskalte glasklare Wasser. "Uwe und Ulrike müssen gebadet werden" ruft sie zu Hannes.

 

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18. Jahrhundert in Voigdehagen


Von 1732 - 1738 kam es zur Verpachtung der Höfe Zitterpenningshagen und Voigdehagen an Karl Albert Richter bzw. Paul Döhn. Um 1736 / 1737 kam es zur Klage des Pastors Johann Theophil Weigel zu Voigdehagen gegen die Provisoren und Administratoren des Klosters zum Heiligen Geist in Stralsund wegen verübter Gewalttätigkeiten des Pächters Paul Döhn zu Voigdehagen. Wie der Streit ausgegangen ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Letztlich kam es aber wwieder zu einer Verpachtung der Höfe Voigdehagen und Zitterpenningshagen an Paul Döhn von 1738 - 1754

Zwischen 1745 und 1762 kam es zu Verhandlungen mit dem Pächter Paul Döhn zu Andershof und Voigdehagen wegen der Viehseuche und Vertragsverlängerung bis zum Jahre 1764, desgleichen Übertragung des Kontraktes (Vertrag) auf N. P. Schultz . 1759 /1760 kam es dann zur Entschädigung des Pächters Paul Döhn für erlittene Kriegsschäden.

Von 1764 - 1769 wurden die Güter Voigdehagen und Zitterpenningshagen an Bogislaw Schulz verpachtet. Zwischen 1771 und 1776 kam es zur Ausbesserung der Wege und Brücken bei Voigdehagen, Andershof, Negast, Langendorf und hinter dem Köpfenberg, welche mittlerweile baufällig waren

1776 / 1777 kam es zu Streitigkeiten der Bauern in Voigdehagen mit dem Pächter Bogislaw Schulz wegen der Hofdienste, welche bis zum Rat der Stadt Stralsund getragen wurden. Die Streitigkeiten traten in jener Zeit immer wieder auf, da die Gutsherren es nicht immer gut mit Ihren Bediensteten meinten. 1790 kam es zur Legung eines Weges über die Heide von Wendorf und Voigdehagen durch den Kapitän von Born zu Zarrendorf für seine Torffuhren.

Zwischen 1746 und 1792 fanden zudem Grenzregulierungen zwischen Voigdehagen und Wendorf statt, diese wiederholen sich aber im weiteren Verlauf der Geschichte immer wieder..

1799 wurde das Wohnhaus, Scheune und Mühle in Voigdehagen (jetzt: Gemeinde Stadt Stralsund) durch den den Müllermeister Johann Christoph Winter an seinen Sohn Nicodemus Jacob Winter übergeben. 


Im Jahre 1800 kam es zu einer Beschwerde des Müllers Diedrich Meinke aus Voigdehagen über das gegen ihn ausgesprochene Verkaufsverbot von Grütze in Stralsund.(Müllerhandwerk) Der Grützmüller Bartholomäus Zimmermann ersuchte die Stadt um Untersagung des Grützverkaufs auf Märkten und an Brücken durch auswärtige Grützhändler. Daraufhin kam es zur Klage gegen den Müller Johann Christian Winter aus Voigdehagen wegen Verkaufs von Grütze auf dem Stralsunder Markt.

 

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