Glockengeläut Voigdehagen

 

Glockengeläut Voigdehagen

 

Das Glockengeläut ist kaum noch aus dem Alltag der kleinen Ortschaft Voigdehagen
wegzudenken. Jeden Abend kann man den schönen Klang einer der drei Glocken vernehmen. Vor jedem Gottesdienst läuten dann zwei. Nur am Sonntagabend hüllen sie sich in Schweigen. Dafür erklingen an bestimmten kirchlichen Feiertagen, wie Ostern, Reformationstag und Weihnachten, sogar alle drei Glocken. Viele Einwohner zieht es insbesondere am Silvesterabend, wenn das alte Jahr verabschiedet und das neue eingeläutet wird, zum Kirchberg hin, um hier auf das neue Jahr anzustoßen.
Hören kann man das Geläut aber auch, wenn jemand auf dem hiesigen Friedhof bestattet wird.


Aus früheren Zeiten wissen wir, dass sie nicht nur aus Anlass der soeben angeführten Ereignisse zu hören waren. Sie ertönten auch bei Feuersbrünsten, sowie bei Sturm- und Flutkatastrophen. Ebenso boten sie eine wichtige Möglichkeit, die Menschen vor dem Einfall feindlicher Horden zu warnen. Nicht zu vergessen ist, dass Kirchenglocken nach kriegerischen Zeiten, wenn sie dann noch existierten, vom lang ersehnten Frieden kündeten.

Liebe Besucher, hier können Sie die Glocken der Voigdehäger Kirche hören. Egal also, wo sie grad auf der Welt sind, können Sie dem Klang der Glocken lauschen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Glocken bereits mehrfach erneuert. Eine Geschichte zu den Glocken wird noch folgen.

Besucher der kleinen Kirche verweilen meistens zuerst bei den drei alten Glocken, die sich vor dem Kirchenportal befinden. Und so mancher versucht mühevoll, die Inschriften der gusseisernen Glocken zu entziffern.

Ein Artikel von Pfarrer Gernot Wittenberg (3) gibt uns Aufschluss darüber:

Inschrift auf der großen Glocke:


1. Kor. 14/40; Laßt alles ehrbarlich und ordentlich zugehen.
Stolharte Tid. Gott steit tau Sid, denn schaffen wit.


Auf der mittleren Glocke steht:
1.Kor. 7/23; Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte.
Chris gew vor ufs sin Blaut, denk em, hei gift uns Maut; dein em und alles ward gaut.

 

Inschrift der kleinen Glocke:
Math. 24/42; Wachet, denn ihr wißt nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird.
Traum starben is bereit, wer fast im Globen steit und treu sin Tagwerk deit.


 Dieser Artikel wurde von Karl Heinz Gittler verfasst. Vielen Dank dafür

 

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Gedicht zu den Glocken

 

Hier nun finden Sie ein Gedicht, welches den 3 Glocken der Voigdehäger Kirche gewidmet ist. Geschrieben wurde dieses Gedicht von Dr. Karl-Heinz Gittler.

 

Glocken vor der Voigdehäger Kirche

Drei alte Glocken



Drei Alte ruhen sich nun aus,
am Friedhof, vor dem Kirchenhaus.
Zu gerne würde ich erfahren,
was sie erlebten in den Jahren.



Wenn ich dann ihr Metall berühre,
ich heute noch die Lust verspüre,
mit der sie mal geklungen,
und voller Kraft, ins Land hinaus,
ihr Glockenspiel gesungen.



Dann geht mir vieles durch den Sinn,
Wo ich hier stehe? Wer ich bin?
Wie wohl die Zeiten so gewesen?
Was so geschehen, ringsherum?
Doch meine Drei, sie bleiben stumm.



Nur einmal hörte ich da Stimmen,
als träumten sie, bei sich da drinnen,
als machten sie sich nun ganz leise,
mit mir gemeinsam auf die Reise.

 

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Geläute der Voigdehäger Kirche

 

Das Glockengeläut bimmelt wie folgt:

1 Glocke: Jeden Tag (außer Sonntag) um 17:55 bis 18:00 Uhr wird der Abend von der Mutterkirche in dem Ort eingeläutet.

2 Glocken: Jeden Sonntag zum Gottesdienst ab etwa 09:30 Uhr, sind zwei Glocken zu hören.

3 Glocken: An besonderen Feiertagen, wie zum Beispiel Ostern, am Reformationstag und zu Weihnachten läuten dann alle 3 Glocken in der Kirche.

Das Glockengeläut mit 1 Glocke. Dauer etwa 5:10min. Jeden Tag um 17:55 Uhr läutet diese Glocke den Abend ein.

 

Voigdehäger Kirche mit Glockenstuhl

Vor der Kirche stehen noch drei Bronzene Glocken. Die eigentlichen, aktuellen Glocken sind in dem neu gestalteten Anbau untergebracht.

 

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Geschichte der Glocken in Voigdehagen

 

Die Chronik dieser Glocken ist unabdingbar immer mit der Geschichte der hiesigen Kirche und der Ortschaft Voigdehagen verknüpft gewesen. Ein Blick in die vergangenen Jahrhunderte zeigt, dass diese Gegend immer wieder von Kriegen heimgesucht wurde. Genannt seien nur der


Dreißigjährige Krieg, die Nordischen Kriege, die „Franzosentied“, sowie die beiden verheerenden Weltkriege im 20. Jahrhundert. In den Geschichtsbüchern finden wir zahlreiche Hinweise zu den damit einhergehenden Zerstörungen und Plünderungen.

Folgender historische Bericht kann das Ausmaß der Verwüstungen, auch für die hiesige Kirche, ein wenig erahnen lassen:


„Das Kirchengebäude zu Voigdehagen unterlag manchen harten Schicksalen, besonders in den Jahren 1627 und 28, und 1637 und 38. Vulpius(damaliger Prediger in Voigdehagen-d. Verf.) schreibt: 1637 und 38 sey es von der Schwedischen Soldatesca in einen sehr betrübten Zustand gesetzt, den sie anfangs alles ihres Ornats beraubet, sogar daß kein Fenster, oder Stuhl, vielweniger Kanzel oder Altar darin geblieben. Zuletzt sind auch noch 2 seiner Glocken zerschlagen und hinweggeführt, der Thurm ganz abgekleidet, die Wände hinausgeschlagen, daß zu bewundern, daß die 4 Ständer das Gebäude der Spitzen noch haben im Sturmwinde tragen und erhalten können“.Hinzu kam, „daß von den Marquetendern unterschiedlich Glockengut in die Stadt geschleppet…“ (4)


Teile des Glockengutes, das in den Kriegsunbilden geraubt worden ist, hat man später in Stralsund sichergestellt. Unter Nutzung der beschlagnahmten Bronzeteile wurden in den Jahren danach zwei Glocken vom Jochen Eberling neu gegossen. (5). Der Turm der Kirche wurde in den Jahren 1645 und 1646 wiederaufgebaut und das Kirchengebäude instandgesetzt.


Doch schon 1654 ereilte die Kirche ein weiterer Schicksalsschlag. Am ersten Juni 1654 schlug der Blitz in den Turm ein. Danach war die größte Glocke unbrauchbar geworden (6). Daraus, dass in dieser historischen Darstellung von der größten Glocke die Rede ist, kann man schließen, dass es damals schon zumindest drei Glocken gegeben haben muss. Bereits im
Jahre 1655 wird diese Glocke wiederhergerichtet. (Pfarrchronik)


Berichtet wird auch folgendes:


„Im Jahre 1659 vor Michaelis brannte man vor Stralsund alle Wind- und Wassermühlen ab, das schöne Lüdershagen, die Hofzimmer und Bauernhäuser loderten in Flammen auf, Lüssow sank in Asche, das Pfarrhaus zu Voigdehagen stand ohne Thüren, Wände, Fenster und Oefen, zuletzt sah man bloß noch das Fundament, der Kirche aber schonte man. Allein 1676 konnte der Winter über kein Gottesdienst in der Kirche gehalten werden, Hof, Dorf und Wiedem waren Schutthaufen geworden, die Kirche war ein Pferdestall. Die Gemeinde zu Voigdehagen versammelte sich, oft um Andacht zu halten, zu Lüdershagen, denn die Kirche konnte sie nichtbenutzen. Die Verwüstung stieg, als man, um im Lager Brennholz und auch Vorrath für die Hauptküche zu Lüdershagen zu erhalten, im Jahre 1679 den Thurm abbrach, dann, am achten Mai, das Kirchendach abtrug, das Gewölbe bis auf die Schwiebbogen nach dem Giebel hin zertrümmerte, alle Balken herausriß, um, was man in der Stadt absetzen konnte, dort feil zu biethen,..“.
Nach der Rekonstruktion ab dem Jahre 1682 konnte die Kirche am 25. September 1683 wieder geweiht werden. (7)

Bei den Recherchen bin ich auf ein historisches Detail gestoßen, welches ich den Lesern dieses Beitrages nicht vorenthalten möchte. So wird in der Pfarrchronik der Voigdehäger Kirche von Folgendem berichtet:


„Anno 1725 ist bei dem Begräbniß des Herrn Bürgermeister Zandern in Stralsund die kleine Glocke gesprungen undt im folfenden 1726 umbgegoßen worden. Da die zinnernen Leuchter auß der Kirche, die nicht gebraucht werden, sind zu hülff genommen, damit sie desto größer wurde.


Auf dem 1 Leuchter stund: Postquam hoc templum Vogdehagense tempore belli Caesar:
in hac regione Anno 1628 spoliatum, Religio ao. 1634 iterum incepta, Ego Petrus Schwartz Stralsund: hune Lüchneum apud hoc sanctuarium 1635 dedit.
Da pacem in Terris. Pax aurea res est. 2. Daniel Temel 1634, 3. Henning Wilde.”
In die deutsche Sprache übersetzt heißt das:
Auf dem ersten Leuchter stand: Nach dem Krieg, in der Zeit von Caesar (Besetzung durch die kaiserlichen Truppen im 30jährigen Krieg-d. Verf.), war dieses Haus Vogdehagense: in dieser Region im Jahr 1628, beraubt, für die Religion so. 1634 wieder begonnen, I, Peter Schwartz, Stralsund, diese lüchneum (Leuchter-d.Verf.) 1635 das (dem-d. Verf.) Heiligtum gab. Geben Sie Frieden auf der Erde. Der Friedensgoldende.
Auf dem anderen: Daniel Temel 1634
Auf dem dritten: Henning Wilde
. (8)

 

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Glockenstuhl

 

Darüber, dass es bis 1769 einen Glockenturm gab, wurde bereits an anderer Stelle berichtet. Was danach genau für eine Aufhängung für die Glocken existierte, ist nicht bekannt. Anzunehmen ist, dass an Stelle des zerstörten Turmes später ein Glockenstuhl errichtet wurde, der sich außerhalb des Kirchengebäudes befand. I
In Archivdokumenten wird erst in den Jahren 1867-1868 im Zusammenhang mit der Kirche, vom Bau eines neuen Glockenstuhls gesprochen. (20)

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kirche allmählich wieder restauriert. Auch der Glockenstuhl wurde erneuert. Nach langer Unterbrechung fand 1952 in Voigdehagen erstmals wieder nach dem Krieg eine Kirchenvisitation unter Teilnahme des damaligen Bischofs statt.

Viele jüngere Einwohner von Voigdehagen kennen nur noch den „offenen“ Glockenstuhl. Hier sind die drei Glocken auch von weitem gut sichtbar gewesen.

Auf dem linken Foto ist auch noch die frühere Erbbegräbnisstätte der alteingesessenen Stralsunder Weinhändlerfamilie Wullfcrona zu sehen, die vor einigen Jahren leider abgerissen wurde.

Die Stahlglocken wurden im Jahre 1998/99 nach einer umfangreichen Sammelaktion unter der hiesigen Bevölkerung durch bronzene ersetzt. Das Geläut stammt von der traditionsreichen Firma Bachert mit Sitz in Heilbronn.

Im Werksprüfungsbericht des Glockensachverständigen Pfarrer i.R. Gerhard Eiseler zu der großen Glocke wird folgende Bewertung des Klangbildes vorgenommen: „In der musikalischen Bewertung zeigt der saubere Intervallaufbau der Teiltonreihe, daß ein klares Klangbild zu erwarten ist. Die Glocke geschlossen, klangvoll, in der Grundtönigkeit hervorragend gestützt durch die kräftige, lang nachhallende Unteroktave. Prime und Mollterze stehen exakt zum

Nominal und bilden einen sicheren Prinzipalchor, über dem sich der Mixturchor mit strahlenden Obertönen aufbaut.“(24)


Als Inschriften finden wir, über dem Schlagring den Aufruf: „O LAND, LAND; LAND HÖRE DES HERREN WORT“ und auf der Rückseite: „GLAUBET AN DAS EVANGELIUM“.
Als Durchmesser sind 1052 mm und als Gewicht 676 kg angegeben.
Der Glockenguß, zu dem Gemeindemitglieder der Kirche Voigdehagen eingeladen waren, fand am 27. August 1999 statt.

Auch die Natur fordert Tribut:

Nachdem der Zahn der Zeit mächtig an den Holzbalken genagt hatte und der Glockenstuhl drohte instabil zu werden, wurde das Gebälk im Jahre 2016 restauriert und der Glockenstuhl verkleidet.


 

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Hier ist die Version mit 2 Glocken. Diese läuten jeden Sonntag zum Gottesdienst.

 

 

Die Voigdehäger Kirche mit Glockenstuhl. Jeden Tag um 17:55 Uhr läutet die Kirche den Abend im Ort ein. Die Glocke erklingt dann 5min lang und sind auch in Zitterpenningshagen, Andershof und Wendorf zu hören

 

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