Gutshaus von Voigdehagen


Geschichtliches


Gutshäuser haben über Jahrhunderte das Leben auf dem Land geprägt. In unserer unmittelbaren Umgebung gab es solche in Lüdershagen, Andershof, Zitterpenningshagen und auch in Voigdehagen.


Seit wann das Gutshaus existierte, kann nicht genau gesagt werden. Als das Hospital zum Heiligen Geist im Jahre 1317 von der adligen Familie Zandors von Weige Grundbesitz in Voigdehagen erworben hatte (Quelle: StArchiv Strals. HS0064, Abschriften von Urkunden des 13. U. 14, wahrscheinlich von Bürgermeister Carl Gustav Fabricius) und in späteren Jahren so vergrößerte, dass fast der ganze Ort ihm gehörte, wurde hier vermutlich die wirtschaftliche Struktur eines Gutes begründet. Ob zu der damaligen Zeit bereits schon ein Guts- oder Herrschaftshaus bestanden hat, ist nicht bekannt. Vielleicht wurde der Gutsbesitz in Voigdehagen zu dieser Zeit vom Stralsund aus verwaltet und organisiert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wissen wir es noch nicht.

 


In den Schwedenmatrickeln, aus dem Jahre 1692-1698, finden sich dann wieder konkrete Angaben zu den in diesen Jahren existierenden Gütern oder, oder wie man sie nannte „Ackerwerken“. Hier ist von einem Pensionarius (Pächter eines Hofes) David Rubert die Rede, der für das Ackerwerk Voigdehagen und die Schäferei Zitterpenningshagen zuständig war. Die finanzielle Last betrug 500 Fl (also Gulden) oder 250 Reichsthaler als Pension, sowie eine halbe Hufensteuer.


Vollbauern, Halbbauern, Kossaten und Einlieger

Auf dem Hofe waren Kossaten und Bauern aus dem Ort, aber auch aus Zitterpenningshagen, Devin und Wendorf dienstverpflichtet. Was an Diensten erbracht werden musste, war genau festgelegt. So hatte ein Vollbauer in der Pflugzeit mit 1 Pflug, 4 Pferden und 2 Personen 4 Tage in der, in der Heuernte mit 2 Arbeitskräften 4 Tage, in der Roggenernte mit 4 Personen alle Wochentage, sonst in der Erntezeit mit 3 Personen alle Wochentage. Verpflichtungen gab es ebenso für die Zeiten, wenn das Korn und das Heu eingebracht wurden, als auch für andere Arbeiten auf dem Gut, wie beispielsweise zum Holzfahren oder das, was sonst noch befohlen wurde. Hierfür musste der Bauer sogar seine Wagen und seine Pferde bereit stellen.(Quelle: Matrickel, S. 207).


Der Halbbauer musste die Hälfte dieser dienstlichen Pflichten über sich ergehen lassen.
Der Pensionarius von Voigehagen selbst besaß zu dieser Zeit 3 Pflüge mit Bespannung mit denen die Kossaten pflügten.
Festlegungen gab es auch zu den Pflichten der Kossaten. Sie dienten z. B. während der Roggenernte alle Wochentage mit 2 Personen, sonst in der sonstigen Erntezeit mit 1 Arbeitskraft.
Jeder Einlieger diente 1 Tag in der Woche. (s.o. S. 203)


Auktionen & Pachtverträge


Nach einem Konkurs des Pächters J.F.Pluns wurde das Gut Voigdehagen mit seinen Pertinenzen Zitterpenningshagen und Wendorf im Jahre 1834 durch das Kloster zum Heiligen Geist über eine Auktion zur Pacht angeboten.

Hierzu wurden drei Aufgebotstermine festgesetzt. Im damaligen Öffentlichen Anzeigers des Amtsblattes der Königlichen Regierung zu Stralsund, vom 09. Juli 1834 heißt es hierzu: „(dass) die Bedingungen vierzehn Tage vor dem Termin beim Actuarius des Klosters, Altermann Münchmeyer nachgesehen, die Güter aber jederzeit, nach Meldung auf dem Hofe zu Voigdehagen, in Augenschein genommen werden (können)“.

Aufschlussreich für die Größe der Güter ist die beigefügte Beschreibung der Güter:

Acker bei den drei Höfen

641 M.

60 R. Pom.

1645 M.

26 R. Preuß.

Wiesen

115

42

295

75

Sölle und Moore

157

101

403

123

Weide

73

72

187

164

Hölzung zur Benutzung des Pächters

32

10

82

34

Quelle: Amtsblatt der Königl. Regierung zu Stralsund, Nr. 28, 09. Juli 1834, S. 93

An anderes historisches Dokument gibt einen interessanten Einblick in die bauliche Struktur des Gutes in Voigdehagen. Es handelt sich um ein „Protocollum inventationis gehalten auf dem Hofe zu Voigdehagen am 24. August 1874“ (Quelle:StadtArchiv Stralsund). Die Inventarliste zum Eintritt in den Pachtvertrag zwischen dem Kloster zum Heiligen Geist und dem neuen Pächter Otto Püschel beinhaltet eine exakte Aufstellung sämtlicher Gebäude und Befriedungen, sowie deren Zustands-
beschreibung. Aufgeführt sind:

  • das Wohnhaus (25m lang, 12,6m tief u. 3,6m hoch)
  • das Back- und Leutehaus (8,3m lang, 7,5m tief u. 2,5m hoch)
  • der Pferdestall (56m lang, 13,8m tief u. 3,8m hoch)
  • die 1. Scheune (46,1m lang, 15m tief u. 3,8m hoch)
  • die 2. Scheune (46,1m lang, 15m tief u. 3,8m hoch)
  • das Viehhaus (56,4m lang, 13,8m tief u. 3,8m hoch)
  • Befriedigungen (Zäune)
  • Steindämme
  • die Befriedigung um den Dunghof
  • die in der Nähe des Viehhauses stehende Pumpe (8,8m tief)
  • die in der Nähe des Wohnhauses befindliche Pumpe (7,8m tief)
  • ein offener Brunnen
  • das ehemalige herrschaftliche Wohnhaus, jetzt als Katen eigerichtet(21,6m lang, 12,5m tief u. 3m hoch)
  • 2 Anbauten
  • die Schmiede (9,3m lang, 5,8m tief u. 2m hoch)
  • 2 Katen (der eine davon war 35,6m lang u. 8,5m tief)
  • der Stall zu den Katen (26m lang u. 7,2m tief)
  • das ehemalige Schallsche Wohnhaus (7,5m lang, 7,5m tief u. 1,9m hoch)
  • der kleine Stall (2,5m lang 1,9m tief u. 1,3m hoch)

Die Inventarliste gibt auch Auskunft über den Baumbestand, der dem Gutspächter gehört. Die Aufstellung befindet sich im Anhang.

 

Bauliche und geschäftliche Aktivitäten


Vom Gut gingen neben den direkten landwirtschaftlichen vielfältige andere Aktivitäten aus. Im Folgenden eine kleine Auswahl, bezogen auf die vergangenen zwei Jahrhunderte:


So fiel in die Zeit von 1818 bis 1824 unter anderem der Bau eines neuen Pferdestalles mit Wagenremise und auch die Beseitigung von Schäden, die durch ein vom Gut veranlasstes künstliches Anstauen der Voigdehäger Teiche entstanden waren.
Auch Ende der 1850iger Jahre erfolgten wieder zahlreiche Umbauten auf dem Gutshof, z.B. das Anlegen von Steindämmen, der Bau einer neuen Scheune, eines neuen Wohnhauses, eines weiteren Katens und eines Brunnens, sowie eines neuen Backhauses und einer massiver Steinmauer um den Dunghof.


Im Jahre 1877 verkaufte das Gut eine kleine Ackerfläche an den Müllermeister Friedrich Asmus (Betreiber der Windmühle in Voigdehagen). Und in den 1930iger Jahren erfolgte wiederum ein Austausch von Land mit des Gutes mit dem hiesigen Mühlenbesitzer.

 

Entwicklung nach 1945

Hier wird die Geschichte noch weiter erforscht


nach oben

 

 

Zur Geschichte des Gutshauses in Voigdehagen

 

 

 

Die Ortsgeschichten in der Übersicht